Das sind ja richtige Lieder!
Die integrative Band "Bitte lächeln!" braucht keinen Behindertenbonus, sie macht einfach gute Musik.
Fotos: Jörg Böthling | Text: Klaus Sieg



Bitte lächeln in Aktion: Witz, Spaß und Intensität.
Freude. Was für eine Freude. Philipp Mohr strahlt, als er die Treppen hinunter steigt. „Mann, ich hab’ euch so vermisst!“ Der 20jährige blickt den Anderen fest in die Augen, geht herum, schüttelt Hände, klopft Schultern. „War’ ja so lange nicht mehr hier“, sagt er und seine Augen glänzen. Zwei Monate konnte Philipp nicht an den Proben teilnehmen. Es waren Sommerferien. Aber heute ist endlich wieder Probe.Christian Raulfs erscheint an der Treppe, winkt herunter in das Souterrain. Hinter ihm steht ein Zivi. „Kann mal jemand helfen?“ Er hat Christian aus seiner Wohngruppe abgeholt. Nun müssen sie den Keyboarder in seinem Rollstuhl die Treppen hinunter hieven...
Bankdleader Mirko Frank bereitet derweil den Proberaum vor, rückt Schlagzeug und Verstärker zurecht, stellt Keyboards auf ihre Ständer. Seit zweieinhalb Jahren leitet Mirko Frank das Projekt. „Mit den Jungs kann man richtig was ziehen.“ Mirko Frank nickt und dreht an einem seiner zahlreichen Fingerringe. Dass die großteils geistig behinderten Musiker so etwas schaffen, liegt an ihrer großen Motivation. „Es war immer schon mein Traum, in einer Band zu musizieren und aufzutreten“, sagt Dennis und schiebt sich hinter sein Keyboard. Doch den Unterricht an einer Musikschule musste der 25jährige abbrechen. „Für mich sehen alle Noten gleich aus.“ Nun hat er sein eigenes System aus farbigen Zeichen und Kürzeln entwickelt...



Jede Band ist besonders, ob mit oder ohne behinderte Menschen.
Mirko Frank zählt den nächsten Song ein, ‚Ohr für jeden’. Lukas Johannsen sitzt vornüber gebeugt in seinem Rollstuhl, wippt im Takt und fängt mit nasaler Stimme an zu singen. ‚Hör mal zu mein Freund, was soll denn das Theater, tu mal nicht so, als wärst du hier mein Vater.’ Die Band spielt einen funky Blues, der gegen Ende in einen rumpeligen Walzer fällt. ‚Dass du hier Kummer hast, damit hab ich doch nichts zu tun und ehrlich gesagt, würd’ ich mich jetzt mal gern ausruhen.’..
‚Bitte lächeln!’ ist kein musikalisches Experimentierfeld. „Die Leute sind immer ganz überrascht und sagen: Das sind ja richtige Lieder!“ Mirko Frank grinst. Und doch entwickeln die Musiker gerade auf der Bühne eine ganz besondere Energie, die schnell auf das Publikum überspringt. „Bevor die Jungs etwas machen, wälzen sie das nicht fünf mal im Kopf herum“, erklärt Mirko Frank...
Dagegen treten die pädagogischen Erfolge in den Hintergrund. Das soll sie nicht schmälern: Benjamin zum Beispiel schafft es mittlerweile alleine aus Glückstadt mit der Bahn zu den Proben nach Altona anzureisen; am Anfang musste er immer gebracht werden. Philipp hat begonnen, seine eigenen Texte zu schreiben. Aber was ist das Alles gegen das Wichtigste im Leben überhaupt? Die Freude.


Rampenlicht tut gut, das ist allen beteiligten Musikern anzumerken.

Musik schweißt zusammen und schafft Verbindung weit über den Proberaum hinaus.